Die Wissenschaftstage des Netzwerks Bildungsforschung standen dieses Jahr unter dem Thema „Schulgestaltung – Schulgestalter?“ (Link zur Veranstaltung hier m Alumniportal). In drei Panels wurde das Thema aus den Perspektiven von Wissenschaft, Bildungsverwaltung und schulischer Praxis beleuchtet: Die Tagung begann mit einem Vortrag von Dr. Esther Dominique Klein, die aus wissenschaftlicher Perspektive unterschiedliche Verständnisse von Leadership beleuchtete, rechtliche Rahmenbedingungen von Schulleitungshandeln aufzeigte und den Teilnehmenden einen Überblick über die Forschungslandschaft zu Führungskräften an Schulen gab. Unter dem Titel „Star of the Ensemble oder Member of the Cast” fragte sie, ob Schulleitungen – wie im angloamerikanischen Raum – eher innovative, inspirierende, herausstechende Personen mit manageriellen Aufgaben sein sollten oder ob sie – eher in europäischen Traditionen stehend – im Kollegium verwurzelt und ein administratives Oberhaupt für eine Gruppe von Lehrkräften bilden sollten, denen ansonsten eine relativ weitreichende pädagogische Autonomie zukommt.

Dr. Bernd Schaal, Referatsleiter für Bildungsforschung im Bayerischen Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) gab in Panel II einen Überblick über seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Bildungsforschung und Schulpraxis. Neben dem Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen für die schulische Praxis ging es dabei u. a. um die Gründe, aus denen heraus die Praxis neue wissenschaftliche Erkenntnisse häufig nur schlaglichthaft rezipiert, welche Probleme es hinsichtlich unterschiedlicher Sprache, Traditionen und Interessensgebieten zwischen Bildungsforschung und Schulpraxis gibt, wie Wissenschaft praxisrelevant gemacht werden kann und inwiefern Schulversuche eine Maßnahme zur Schulentwicklung darstellen können. Hier zeigten sich auch Unterschiede zwischen der Wissenschaft, die frei und ergebnisoffen forschen kann und der Politik, die die Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse verantworten und im Zweifelsfall für ‚falsche‘ Ansätze geradestehen muss.

Das Panel III fokussierte die schulische Praxis: Micha Pallesche stellte unter dem Titel „Schule der Zukunft“ vor, wie eine Schulleitung auf die gesellschaftlichen Herausforderungen reagieren und die Möglichkeiten der digitalen Transformation nutzen kann, um neues Lernen in alten Räumen, innovative Lernkonzepte und neue Möglichkeiten der Partizipation zu eröffnen.

Das Netzwerk Bildungsforschung ist auch eine Veranstaltung speziell für Promovierende und Promotionsinteressierte. Dementsprechend lag ein weiterer Fokus der Veranstaltung darauf, Räume zum Austausch zu schaffen – für Diskussionen der Promovierenden untereinander und zum Austausch von Promovierenden und Promotionsinteressierten. Ergänzt wurden diese Angebote um ein dezidiert methodisches Panel, in dem Dr. Daniel Rehfeld über „Fehler und Fallen der Statistik“ berichtete. Die Teilnehmenden konnten an Hand praktischer Beispiele üben, methodische Fehler in wissenschaftlichen Forschungsarbeiten zu erkennen und zu vermeiden. Im Anschluss stand mit Dr. André Klima ein promovierter Statistiker des Statistischen Beratungslabors der LMU München zur Verfügung, um in einem offenen Format Fragen der Teilnehmenden zu Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von empirischen Erhebungen zu beantworten.

So ergab sich eine Veranstaltung, die sich dem zentralen Tagungsthema aus unterschiedlichen Perspektiven, mit Hilfe unterschiedlicher AkteurInnen und in stetem Austausch zwischen Teilnehmenden und ReferentInnen, mit offenen Gesprächen und intensiven Diskussionen genähert und die Grundlage für die weitere Beschäftigung der Teilnehmenden mit dem Thema gelegt hat.

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